Dieser Text wurde uns freundlicherweise von Kara Hunzelder zur Verfügung gestellt,
und stellt die Krankheit mal aus der Sicht einer Betroffenen dar, und nicht die rein fachliche Sicht.
Vielen Dank für diesen Einblick.
Fatigue – wenn Erschöpfung mehr ist als müde sein
Fatigue ist kein „Ich bin heute kaputt“,
kein „Ich hab schlecht geschlafen“
und auch kein Zustand, der mit einem Wochenende auf der Couch wieder verschwindet.
Fatigue ist eine tiefe, allumfassende Erschöpfung, die den ganzen Körper betrifft und oft auch den Kopf. Sie ist da, selbst dann, wenn man eigentlich genug geschlafen hat. Selbst dann, wenn man „nichts getan“ hat.
Ich beschreibe Fatigue oft so:
Es fühlt sich an, als wäre der Akku dauerhaft auf 5%. Und egal, wie sehr man versucht, ihn aufzuladen, er bleibt dort.
Wie fühlt sich Fatigue an?
Fatigue bedeutet nicht nur körperliche Erschöpfung. Sie ist vielschichtig.
Der Körper fühlt sich schwer an. Manchmal wie Blei. Bewegungen, die früher selbstverständlich waren, kosten plötzlich enorm viel Kraft.
Der Kopf macht oft nicht mehr richtig mit. Konzentration fällt schwer, Gedanken fühlen sich zäh an, Worte gehen verloren. Man ist da aber gleichzeitig irgendwie nicht ganz.
Und das Gemeine ist:
Fatigue ist von außen nicht sichtbar. Man sieht gesund aus. Man lächelt. Man funktioniert – manchmal. Aber innen läuft alles auf Sparflamme.
Fatigue ist nicht gleich Müdigkeit
Müdigkeit kennt jede/jeder. Fatigue ist anders.
Schlaf hilft nicht wirklich. Ausruhen bringt nicht automatisch Erholung. Man wacht auf und ist genauso erschöpft wie vorher. Oft reicht schon eine kleine Anstrengung: ein Termin, ein Gespräch, ein kurzer Ausflug und der Körper sagt „Stopp. Mehr geht nicht“
Manchmal kommt die Quittung auch zeitverzögert. Erst denkt man: „Es ging doch ganz gut.“ Und dann kommt der Einbruch. Stunden oder sogar Tage später.
Wer kann Fatigue haben?
Fatigue tritt häufig im Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen auf. Sie kann Menschen jeden Alters betreffen. Viele stolpern irgendwann über dieses Wort, weil sie merken: Das, was ich erlebe, ist mehr als normale Erschöpfung. Und oft dauert es lange, bis Fatigue ernst genommen wird von Ärzten/Ärztinnen, vom Umfeld, manchmal auch von einem selbst.
Was Fatigue mit dem Alltag macht
Fatigue verändert das Leben. Nicht immer laut, oft leise. Pläne werden unsicher. Spontanität wird schwierig. Man lernt, ständig abzuwägen: Reicht meine Energie dafür oder brauche ich sie für etwas Wichtigeres?
Man lernt, Grenzen zu setzen. Nicht, weil man nicht will, sondern weil der Körper es verlangt. Und ja, das kann frustrieren, traurig machen, einsam.
Warum ich darüber spreche
Ich spreche über Fatigue, weil sie gesehen werden muss. Weil sie real ist. Weil sie kein Zeichen von Schwäche ist.
Fatigue bedeutet nicht, dass man aufgibt. Sie bedeutet, dass man lernen muss, anders zu leben. Achtsamer. Langsamer. Ehrlicher mit den eigenen Ressourcen.
Und vielleicht hilft dieser Text dabei, dass jemand sich weniger allein fühlt. Oder dass jemand versteht, warum „Ich kann gerade nicht“ nicht eine Ausrede ist sondern Selbstschutz.
Lieben Gruß,
Kara
Wer mehr über Kara erfahren möchte, und wie Sie mit Fatigue, MS und weiteren Erkrankungen durchs Leben geht, kann das auf ihrem Instagramm-Account.
